Podcast-Folge mit Oliver Eischet von Specter Automation.
Oli kommt ursprünglich aus Aachen und bringt eine Perspektive mit, die man in der Bauwelt so nicht oft sieht. Er kommt nämlich nicht aus der Branche. Klassisch BWL studiert, geprägt durch die Automobilindustrie und den familiären Kfz-Groß- und Einzelhandel. Unternehmertum war also schon früh Teil seines Weges. Sein Studium führte ihn durch Deutschland, die Schweiz und die USA.
Der Zugang zur Bauwelt kam über seinen besten Freund, der im GU-Umfeld groß geworden ist. Gemeinsam haben sie angefangen, sich intensiv mit Baustellen auseinanderzusetzen. Erste Ideen gingen sogar in Richtung automatisierter Turmdrehkräne mit Kameras. Heute liegt der Fokus klar auf Software und Prozessen.
Mit Specter Automation entwickeln sie eine modellbasierte Steuerungssoftware für Baustellen, die vor allem Poliere und Bauleiter im Alltag unterstützt. Planung, Kommunikation, Dokumentation und Arbeitsvorbereitung werden gebündelt, mit dem Ziel, Baustellen transparenter und effizienter zu machen. Es geht darum, greifbar zu machen, was heute, morgen und übermorgen passiert und diese Abläufe Schritt für Schritt zu automatisieren.
Der Weg dahin war geprägt von viel Zuhören. Vor der Gründung wurde ein Jahr lang vor allem eines gemacht: Gespräche führen, Baustellen besuchen und verstehen, wie dort wirklich gearbeitet wird. Erste Prototypen entstanden, man ist rausgegangen, hat mit Bauleitern und Polieren gesprochen und schnell gemerkt, wie groß die Lücke zwischen digitaler Planung und Ausführung ist. Daraus ist das Produkt entstanden. Erster Prototyp, erster Kunde, erster Vertrag und dann direkt die nächsten Schritte, auch international. Heute arbeitet das Unternehmen weltweit mit Generalunternehmern und betreut Projekte bis nach Neuseeland. Ein junges Unternehmen, das sich in kurzer Zeit stark entwickelt hat.
Im Gespräch wird auch klar, warum Digitalisierung auf Baustellen oft noch schwerfällt. Für viele ist es ein großer Begriff und der Gedanke „Das haben wir schon immer so gemacht“ sitzt tief. Oli sieht das realistisch. Es wird immer Menschen geben, die Veränderungen kritisch sehen. Gleichzeitig zeigt die Erfahrung, dass gerade die Bauleiter, die offen für Neues sind, schnell den Mehrwert erkennen und Lösungen im Team weitertragen.
Gerade am Anfang begleitet Specter seine Partner sehr eng. Es wird erklärt, gemeinsam aufgebaut und Schritt für Schritt eingeführt. Daraus entstehen oft sehr enge, vertrauensvolle Beziehungen. Und wenn es für jemanden nicht passt, ist das auch in Ordnung. Nicht jeder muss den gleichen Weg gehen, auch wenn klar ist, dass sich der Markt in diese Richtung entwickelt.
Der Mehrwert zeigt sich im Alltag deutlich. Informationen werden durch das 3D-Modell sichtbar und verständlich. Bauleiter bekommen eine klare Vorstellung davon, was entsteht. Gleichzeitig lassen sich Prozesse strukturieren und automatisieren, von der Wochenplanung bis hin zu Tagesberichten. Und nicht zuletzt entsteht ein echter Überblick über den Projektstand. Probleme und Verzögerungen werden früh erkannt und können rechtzeitig gesteuert werden.
Ein schönes Beispiel für die Zusammenarbeit war der gemeinsame Auftritt beim Bauforum in Köln. Der erste Bühnenmoment zusammen, der gezeigt hat, wie gut die Partnerschaft funktioniert.
Und genau das ist ein entscheidender Punkt. Vertrauen, offene Kommunikation und Arbeiten auf Augenhöhe. Schnell sein, Dinge ausprobieren, aber auch den Mut haben, wieder umzudenken, wenn etwas nicht funktioniert. Diese gemeinsame Denkweise macht die Zusammenarbeit besonders.
Langfristig geht es darum, echten Mehrwert für die Baustelle zu schaffen. Gerade vor dem Hintergrund, dass in der Branche viele Fachkräfte fehlen, wird deutlich, wie wichtig Effizienz ist. Bauleiter sollen sich auf die wertschöpfenden Themen konzentrieren und nicht auf Aufgaben, die Zeit kosten, aber keinen echten Fortschritt bringen.
Ein großes Thema dabei ist auch die künstliche Intelligenz. Sie ist längst Teil des Arbeitsalltags geworden, ob bei der Dokumentation, beim schnellen Zugriff auf Informationen oder bei automatisierten Auswertungen. Auch in der Software selbst wird sie zunehmend integriert. Noch steht vieles am Anfang, aber die Entwicklung geht schnell.
Der Blick geht klar nach vorne. Internationalisierung ist ein großes Thema, Märkte wie Kanada rücken stärker in den Fokus. Gleichzeitig zeigt sich, dass deutsche Unternehmen im Ausland nach wie vor einen sehr guten Ruf genießen.
Am Ende bleibt vor allem eines hängen: In der Bauwelt steckt enormes Potenzial. Und manchmal braucht es genau die, die von außen kommen, um Dinge neu zu denken und wirklich voranzubringen.
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